Analytic Psychocatharsis

... combining meditation with science

Welcome to Analytic Psychocatharsis - Willkommen zur Analytischen Psychokatharsis

Theoretische Kurzfassung für die Analytische Psychokatharsis

Die nebenstehende Abbildung zeigt ein im Kreis auf ein Hyperboloid geschriebens Folrmel-Wort, ein zentrales Element der Analytischen Psychokatharsis.

Die Analytische Psychokatharsis ist ein psychotherapeutisches Verfahren, das von der Psychoanalyse abgeleitet, in der Praxis jedoch mit meditativen Verfahren  verbunden ist. Eine derartige Verbindung war bisher nicht denkbar, da man die Psychoanalyse sowohl von ihrem theoretischen Ansatz als auch als interaktive Zwei-Personen-Methode nicht mit einer Meditationsübung in Zusammenhang bringen konnte. Es gab zwar reichlich Versuche in diese Richtung, etwa zwischen Zen und Psychoanalyse, es war aber keine dieser Bemü-hungen plausibel und erfolgreich. Im Zentrum der Analytischen Psychokatharsis stehen sogenannte formelartige Kurzsätze, die je-doch keinen unmittelbaren Sinn haben. Dies ist aber nicht deswegen der Fall, weil sie wider- oder unsinnig wären, sie sind vielmehr überdeterminiert (ein Ausdruck Freuds für die Mehrfachbedeutung von Traumsymbolen), sie haben also eher mehrfachen Sinn als zu wenig oder keinen. Überdeterminierung gibt es auch in anderen Bereichen der Psychoanalyse, z. B. beim Versprecher. Hier steht der Sinn, den man ausdrücken wollte anderen Sinnbedeutungen gegenüber, die unbewusst sind. Das psychoanalytische Trieb-Struktur-Konzept beinhaltet, dass zwei Grundkräfte, -triebe, das Seelenleben beherrschen. Lacan hat sie den Wahrnehmungs-Schautrieb und den Entäußerungs-Sprechtrieb genannt, Bgeriffe, die ich zu einem Es Strahlt und Es Spricht verkürzt habe. Während in der klassischen Psychoanalyse nur davon augegangen wird, wie sich diese Kräfte im Psychischen repräsentieren, geht man in der Analytischen Psychokatharsis  davon aus, dass man sie beim Meditieren als ein Es Strahlt und ein Es Spricht direkt in sich erfahren kann. Dazu müssen sie selbstverständlich präzise gestützt sein durch eben solche formelartigen Kurzsätze, die ich auch Formel-Worte heiße. Sind diese Formel-Worte im Kreis geschrieben, kann man aus diesem einzigen Schriftzug von verschiedenen Buchstaben aus gelesen jeweils andere Bedeutungen herauslesen. Meditiert man rein gedanklich diesen überdeterminierten Schriftzug, wird gerade deswegen, weil kein einheitlicher Sinn zu finden ist, das Unbewusste selbst aufgebrochen, um etwas von seinem, für die Identität eines jeden so wichtigen Sinn herauszugeben und damit bewusst werden zu lassen.
So stecken beispielsweise in der lateinischen Formulierung VE-RO-RA-TE, die hier links in einer Kreisschreibung abgebildet ist, je nachdem von welcher Stelle man im Uhrzeigersinn zu lesen beginnt, folgende verschiedene Bedeutungen:  vero rate ( durch das Wahre ist es sicher), V ero rate (als fünf werde ich gültig sein), r at evero (als R aber ich werde vergangen sein), e ver orat (sehr möge der Frühling brennen oder die Jugend spricht heraus),   rorate ve (tropft durch Gewalt!), ate vero r (schwarz durch das wahre R), vero rate (wirklich durch das Schiff oder wirklich Ratte!), or at e ver (brenne jedoch seit Jugend). Noch zahlreiche weitere Bedeutungen stecken darin (z. B. heißt ora auch die Münder, Gesichter,), orate auch sprecht!, betet!, Bedeutungen also, die alle letztlich unwichtig und auch oft  unsinnig sind, wenn man nunmehr die Formulierung stets nur von einer anderen Stelle aus liest.


Dies tut man nämlich automatisch, wenn man die Formulierung V-E-R-O-R-A-T-E meditiert, also langsam, monoton, rein gedanklich in sich wiederholt. Es ist dann das Unbewusste, das zu „lesen“ be-ginnen muss, denn das Bewusste, das Ich, kann einen einheitlichen Sinn ja nicht erfassen. Das Bewusste mag um die vielen Bedeutun-gen herumkreisen, aber da man von vornherein klar ist, dass dies keinen Zweck hat, wird man einfach beim gedanklichen Wiederholen der rein wortklanglichen Formulierung bleiben. Und ein solches Vorgehen wird Effekte haben. Das Unbewusste wird irgendwann durch das ständige Anrennen eines Kurzsatzes, der nicht weiter nach üblichen logischen Kriterien auflösbar ist, eine eben für das Unbe-wusste typische mehr oder weniger irrationale Lösung herausgeben. Die Lösung ist wie beim VER-OR-ATE mit Schnittstellen versehen bzw. mit Verdrehungen die wie ein Möbiusband gestaltet sind (siehe hier rechts unten).

Zuerst wird man eine tiefe Entspannung erfahren (was man in der Psychoanalyse eher als Regression bezeichnen würde), die ich Katharsis nenne, weil sie befreiend, reinigend, d. h. fast berauschend wirkt. Dadurch wird neben der rein kathartischen Erfahrung aber auch das analytische Element (die Progression)  sichtbar. Man wird plötzlich einen Gedanken haben, den das Unbewusst freigibt. In einer derartigen Entspannung tauchen auch wie von ferne oder tief heraus Gedanken auf, die einem fast fremd vorkommen, obwohl man noch bemerkt, dass man sie ja auch selber denkt. Freud nannte dieses Phänomen „unbewusste Gedanken“, was widersprüchlich klingt. Im Traum jedoch gehört es dazu, dass „unbewusste Gedanken“ vorherrschend sind. Aber sie sind im Traum weitgehend entstellt, verbildlicht und verbogen. In meditativen Verfahren verhält es sich jedoch mit diesen Gedanken anders. Sie sind meist sofort verständlich oder bei kurzer rationaler Betrachtung klar.


In den meisten meditativen Methoden wird zwar jegliches Denken, ob bewusst oder unbewusst, unterdrückt. Dies ist aber bei der Analytischen Psychokatharsis anders. Wie in der klassischen Psychoanalyse bleibt das Regressions-Progressions-Element nahe beieinander und ans Sprachliche, an die symbolische Ordnung gebunden. Dadurch kommt es zum etwas mehr sprach-, satzbezogenem und halbbewussten Auftauchen der genannten Gedanken. Der französi-sche Psychoanalytiker J. Lacan sprach diesbezüglich von „ultraredu-zierten Phrasen“, die nicht nur das Unbewusste selbst kennzeichnen, sondern auch in Kunst und besonderen Seelenzuständen auftreten können. Nicht zuletzt ist ja auch die Formulierung des V-E-R-O-R-A-T-E eine „ultrareduzierte Phrase“, indem sie viele Bedeutungen auf ein reines Wortklangbild hin reduziert. Die aber beim Üben der Analytischen Psychokatharsis auftretenden „unbewussten Gedanken“ nenne ich Passworte. Sie haben ja etwas mit der eigentlichen Identität des Übenden zu tun. Sie beziehen sich ja auf das, was der Psychoanalytiker und sein Patient im Assoziations-Deutungs-Gespräch aus dem Unbewussten ans Tageslicht holt: Identitäts-, Passworte.
In seinem 13. Seminar gibt Lacan eine Erklärung, wie man sich eine derartige Antwort aus dem Unbewussten vorstellen und denken muss, d. h. wie exakt Unbewusstes und Gedanken in einem Vorgang erfasst werden können. Er verwendet dazu einen chinesischen Spruch, den ich hier zuerst worthaft und dann auch bildhaft wieder-gebe.
三         千        年          代               几           人            知
Sān       qiān      nián       dài                jī           rén           zhī 
Im Originalbild sind die Zeichen senkrecht untereinander geschrie-ben und daneben ein Kreis gezeichnet. Die wörtliche Übersetzung heit : « In dreitausend Jahren, wieviele Menschen werden dasein ? » Der Kreis symbolisiert wohl den Erdkreis mit all seinen Menschen und dem zugehörigen Spruch. Lacan kippt den Kreis zu einer Inne-nacht (siehe links), also einer Verdrehung wie beim Möbiusband und stellt auch die Schriftzeichen wie anders herum gekippt dar. Der Spruch heißt dann :
三        千        年        前           人         知          也
sān      qiān     nián      qián          rén        zhī        yě   ,
was bedeutet : Innerhalb dreitausend Jahren, gut davor, werden Menschen sein. Mit derartigen Umstellungen, « ultraredizierten Phra-sen » und topologischen Umkippungen arbeitet das Unbewusste. Es bringt jedoch dabei genau das zum Ausdruck, was wir von uns selbst, von unserer eigenen Identität, sonst nicht zum Ausdruck bringen, was uns also unbewusst bleibt, obwohl es zu uns gehört.

Dieser Vorgang der Verdrehung oder Umkippung wurde schon seit Freuds Zeiten auch « Spaltung » genannt. Dies ist jedoch – wie R. B. Blass in der Zeitschrift PSYCHE 2 (2013) schreibt ein vielschichter Begriff. Dennoch ist gut zu sehen, wie mit der Analytischen Psychokatharsis die « Spaltung » überwunden werden kann, indem sie in einem geschlossenen Schriftzug, in einer geschlossenen Verlautung angerufen und dann durch ein Passwort auch selbst wieder geschlossen werden kann. Der Kreis des Formel-Wortes wird kurzfristig in eine Innenacht verwandelt, um dann wieder als Kreis des Passwortes zum Vorschein zu kommen. Eine ausführliche Beschreibung von Theorie und Praxis der Analytischen Psychokatheris ist auf der Webseite >ww.analytic-psychocatharis.com< zu erhalten. Auch in Print- oder gar E-Book-Form existiert die recht preisgünstige Version der Broschüre „Die körperlich kranke Seele“, die alles Wissenswerte enthält und auch ein Üben ohne weitere Anleitung ermöglicht.

Hier dennoch eine kurze Beschreibung der Praxis: 

Erste Übung.  Man sitzt in bequemer Haltung und wiederholt rein gedanklich langsam hintereinander ein, zwei oder bis zu fünf Formel-Worte, [1] während man gleichzeitig darauf achtet, ob etwas auftaucht, das den Charakter eines Es Strahlt hat. Erst in einer zweiten Übung (siehe später) kommt durch Konzentration anderer Art eine Antwort (Pass-Wort) auf diese erste Übung zustande. Bei dem Strahlt kann es sich um eine Erhellung, Körperbildwahrnehmung, ein Schimmern, einen „Lichtpunkt“ oder irgendetwas handeln, dem eben solch ein Phänomen zukommt. Lacan spricht diesbezüglich  von einer Luzidität, einem ursprünglichsten ‚Leuchten‘. Dabei bezieht sich Lacan ganz klar auf etwas Gegebenes,  etwas, was dem sogenannten Primärprozess des Triebs zugehörig ist.  Genauso kann aber auch ein „Durchrieseln“ [2] zu spüren sein oder die Empfindung auftauchen, wie das eigene Körperbild sich verschiebt, sich weitet oder es einfach nur als schwarze Farbe, Fleck vor den geschlossenen Augen festzustellen ist. Denn Schwarz ist schon eine Wahrnehmung, die sich von der Dunkelheit im Kopf ganz gering abheben kann. Egal was auch immer „gesehen“ oder erfahren wird, es wird den Charakter von einem auch nur ganz geringem Es Strahlt haben, und das genügt.

Die Formel-Worte sind also rein formale Ausdrücke, die es in der üblichen Sprache so nicht gibt. So ist auch das RA-DIC-IT  kein normales Wort aus dem Lateinischen, aber es beinhaltet mehrere sich überschneidende Bedeutungen in einer Formulierung, es ist „linguistisch kristallin“ aufgebaut (ein Ausdruck, den Lacan für die Struktur des Unbewussten verwendet). Außer dem radiat und dicit (Strahlt und Spricht) ergeben sich im Kreis geschrieben und von verschiedenen Buchstaben aus gelesen mehrere unterschiedliche Bedeutungen. So können wir hier z. B. auch „adi cit r“ (geh heran, es bewegt R) „C i tradi“ (hundert I  übergeben), „citra di“ (diesseits die Götter), „dicit ra“ (es sagt ra), „r adic it“ (füge r hinzu, es geht), „radi cit“ (gekratzt werden, es bewegt sich), „trad ici“ (erzähle, ich habe getroffen) etc. herauslesen, wobei vieles recht unsinnig klingt. Dies hat jedoch für den formalen Ausdruck keinerlei Bedeutung. Ausschlaggebend ist hier nur, die wissenschaftliche Begründung (mehrere Bedeutungen in einer Formulierung, Verwendung nur anderer Schnittstellen) klar darlegen zu können, und dies ist für das Verfahren sehr wichtig, weil man nur so volles Vertrauen in die Methode haben kann.

Bei der zweiten Übung wird nunmehr auf genau dieses Spricht, diese Echos im Körper, also auf einen von oben / rechts im Kopf her kommendes Verlauten, auf einen Ton aus dem tiefen Inneren geachtet. Es sind schließlich Buchstaben, die aus diesem ‚typographischen‘ Raum herausklingen und  die das Unbewusste dort gespeichert hält. Und genau in diesen Raum sind die Formel-Worte eingedrungen und haben die Buchstaben geweckt und evoziert. Auch hier können anfänglich nur ein feines Rauschen, ein ferner Laut oder Ähnliches wahrgenommen werden können, der Übende wird jedoch von Anfang an bemerken, dass es sich hier um eine Konzentration auf ein mehr oben-rechts oder oben-zentral im Kopf befindliches Hör-Sprechsystem handelt, zu dem die Echos des Körpers Beziehung haben, auf die hier zurückgegriffen wird. [4] Ein Beispiel für die vom Unbewussten ausgestoßenen Kurzsätze aus meiner eigenen Erfahrung:

Wie aus der inneren Tiefe her vernahm ich plötzlich einen Spruch, der ‚Hans Oberlohn‘ lautete. Ich fand ihn erst sehr befremdlich, doch gleich danach war er mir klar. Ich suche ich zwar nicht den materiellen, aber doch den geistigen, wissenschaftlichen, den ein wenig weiter oben angesiedelten Lohn meiner Arbeit. Andererseits klang das Wort ‚Hans Oberlohn‘ spöttisch, sarkastisch und schnippisch. Ein Hans ohne Lohn, Oberlehrer, Schulmeister, voll Hohn, Obersatire oder gar Lohengrin fiel mir ein, alles wenig schmeichelhaft. Ich war wie der bekannte ‚Hans ohne Land‘, der englische König aus dem 12. Jahrhundert, zwar nicht ganz ohne Lohn, aber vielleicht doch zu sehr hinter einer besseren Entlohnung her, so meine nicht schwer zu erreichende Deutung.

Es bleibt also in der zweiten Übung nicht beim einfachen Hören und Erfahren von inneren Lautphänomenen, sondern von Buchstabenfolgen bis hin zu kurzen Sätzen. Solche – von Lacan auch als „ultrareduzierte Phrasen“ beschriebene Kurssätze nenne ich Pass-Worte, Identitätsworte, weil sie direkt aus dem Unbewussten kommend natürlich mit der Identität des Übenden zu tun haben. Bemerkt man, dass der Strahlt-Anteil beim Üben zu stark ausfällt, wechselt man zur Spricht-Übung und umgekehrt. Beide Übungen sind jeweils nur für ein paar evtl. auch bis zu zwanzig Minuten durchzuführen. Der Wechsel von praktischer Erfahrung und theoretischem Denken ist wichtig, weil am Ende etwas Gemeinsames herauskommen wird: eine gedankliche Selbsterfahrung, eine praktische Logik, eine kathartische Analyse. Letztendlich finden beide Übungen zu einem inneren ‚Auftrag‘, einer Gewissheit, auch am Verfahren mitwirken zu können.



[1] Weitere FORMEL-WORTE sind in anderen Veröffentlichungen oder auch auf der hinten angegebenen Webseite zu finden. Vorerst genügen die hier erwähnten. Mehr als fünf sollte man nicht benötigen.

[2] Damit ist eine Erfahrung gemeint, die etwas mit atavistischen Gefühlsreaktionen zu tun hat. Die Frühmenschen haben noch viel mit ihrer unbedeckten Haut gefühlt, ertastet und umweltbezogen kommuniziert. Auch bei bewegenden Musikstücken, wenn es einem wie einen durch einen den Rücken herunterrieselnden Schauer erfasst, greifen wir auf diese eben besonders tief gehenden Emotionen zurück. In der Analytischen Psychokatharsis wird diese Erfahrung jedoch als Bestätigung einer Erkenntnis genutzt z. B. bei den Pass-Worten.

[3] In der Psychoanalyse gehen wir davon aus, dass in der Menschentwicklung die symbolische Ordnung bzw. die Sprache eine entscheidende Funktion einnimmt, die die Wahrnehmung in eine reine Sinnestätigkeit und eine Triebtätigkeit teilt. Die Sinnestätigkeit ist eine Wirklichnehmung, die Triebtätigkeit eine Wahrnehmungslust, zusammengefasst sprechen wir von Wahr-Nehmung. Das Wahre kommt durch die Sprache herein, die Nehmung durch die Wirklichkeit.

[4] Auch wenn das eigentliche Hör-Sprechsystem im Kopf linksseitig angelegt ist, ist eben rechtsseitig das mehr rudimentäre, musikalische und der Regression besser zugängliche Hör-Sprechsystem vorhanden.

 

 



 

 

 

 

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