Analytic Psychocatharsis

... combining meditation with science

Sudoku und kein Ende

Das Zahlenrätselspiel Sudoku findet immer mehr Anhänger. Schon längst gibt es Meisterschaften in vielen Ländern. Auch ich bin seit über einem halben Jahr verführt, wann immer ich in einer Zeitung oder Magazin ein Sudoku sehe, es zu lösen versuchen. Freilich könnte man sich im Internet genügend Aufgaben herunterladen. Doch mein Problem liegt woanders. Ich sage mir einerseits, dass Sudoku ein typisches, für den Computer in Null-Komma-Nix zu lösendes Spiel ist, mit anderen Worten ein ideales Feld für die totale Schmalspurintelligenz oder das perfekte Fachidiotentum. Wie im Schachspiel, wo es festgelegte Spielfelder (64) und Figuren mit festgelegten Bewegungsmöglichkeiten gibt, ist der Computer heute dem Menschen hinsichtlich des Sudoku millionenfach überlegen.

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Samuel und der 'Eigenname'

Im Alten Testament steht die Geschichte von Samuel, dessen Eltern ihn zum Oberpriester Eli in den Tempel gegeben hatten. Eines der Kinder Im Tempel oder Kloster unterzubringen  war damals und auch noch in Asien oder bei uns bis zu Beginn der Neuzeit üblich. Gehen wir einmal von modernen, zwar nicht atheistischer, aber doch heutzutage durch viele Wissenschaften gestützten Anschauung aus, dass wir uns unter Gott nicht mehr eine menschliche Gestalt vorzustellen haben, die von weit oben her weise Anmerkungen von sich gibt. Der streng katholische Religionsphilosoph R. Spaemann  definierte Gott als ein „unsterbliches Gerücht“ und der französische Psychoanalytiker J. Lacan nannte ihn einen „Körper ohne Gestalt“. Beide Zuschreibungen sind positiv gemeint. Für Spaemann geht es um einen originären Diskurs, also eine bestimmte Art des Sprechens und Aussagens, die hier – im Gegensatz zu all den üblichen Diskursen wie dem alltäglichen Diskurs, dem universitären Diskurs oder dem analytischen Diskurs – eben unsterblich, unendlich ist. Da dieser unsterbliche Diskurs meist nicht der ist, den Pfaffen und Theologen vortragen, sondern einer, der im Hintergrund, wie verborgen und wie hinter vorgehaltener Hand verlautet, nennt Spaemann ihn eine Gerücht.

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Das Konnektom

 

Das Konnektom ist ein Begriff der Neurowissenschaftler für den Konnex, den Zusammenhang sämtlicher Neuronen, also für das gesamte Neuronen-Netzwerk des Gehirns. Wieder einmal etwas, mit dem man hinsichtlich des Menschen und seiner Psyche Furore machen kann. Denn freilich geht es den Gehirnforschern letztlich darum – wenn man dies einmal etwas pauschal so sagen darf –  Gedanken lesen zu können. Die Neurowissenschaftler haben bisher über Messungen elektrischer Signale oder über das Studium elektronenmikroskopischer Gehirnareale versucht, die Nervenverschaltungen zu eruieren und sichtbar zu machen. Damit sind sie immerhin schon so weit gekommen die Bahnen einzelner Nervenfaserbündel dreidimensional darzustellen (siehe Abb. nebenan). Doch neuerdings gelingt es Forschern (Anthony Zadrar - Cold Spring Harbor Labaratory) viel bessere und umfangreichere Kartierungen des Gehirns durch Erbgutetikettierungen zu erreichen.

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Das Bewusstsein ist die Hardware

Dass das  Bewusstsein die Hardware ist, behauptet die norwegische Philosophin H. Hassel Morch, die an der Universität Oslo und wissenschaftlichen Instituten in New York und Wisconsin-Madison arbeitet. Die Welt, die Körper, alles dies ist dementsprechend nur die Software. Es verhält sich also alles so ziemlich umgekehrt wie man es sich gewöhnlich vorstellt. Sie meint, dass das Bewusstsein in der Materie ‚intrinsisch‘ versteckt ist, was sich besonders im Gehirn als wichtig herausstellt.[1] Doch die Sache ist nicht neu. Ich habe in vielen Artikeln auf die Arbeiten von R. Penrose, F. Capra, M. König und anderen hingewiesen, die Ähnliches behaupten.

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Die Kombination von Sex und Wissenschaft

Es gibt keine Wissenschaft vom ‚Menschen‘, denn der ‚Mensch‘ der Wissenschaft existiert nicht, es gibt nur sein ‚Subjekt‘, sagte Lacan einmal, also nicht eine Wissenschaft des, sondern  v o m  Subjekt. Doch auch das Subjekt muss man – will man es zu fassen bekommen – in die Nähe von etwas ‚Objekthaften‘, ‚Objektartigem‘,  bringen, so Lacan an anderer Stelle. Man muss es also irgendwie ‚verkörperlichen‘, was meist nur in einer unvollständigen oder  primitiven Wissenschaft gelingt . Freilich, für die rein materielle Physis selber benutzen wir eine elaborierte Wissenschaft, aber sie schließt eben den Menschen in seiner Eigentlichkeit, in seinem Subjektsein, in seinem Persönlichen geradezu aus. Auch die Geisteswissenschaften sind nicht Wissenschaften vom Menschen, denn auch sie erstellen keinen direkten und klaren Bezug zum Subjekt her, insofern es zum Beispiel dem Unbewussten, den unbewussten Kräften,  unterstellt ist. Sie versuchen es philosophisch, soziologisch, psychologisch oder sonst wie einzukreisen, aber exakt dahin, wo der Mensch aus seinen Kräften heraus Mensch ist, kommen sie nicht.

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Lévi-Strauss und seine lebendigen Toten.

Der Ethno- und Anthropologe  Claude Lévi-Strauss blieb zeit seines Lebens Akademiker, auch wenn er ein Außenseiter in der westlichen Wissenschafts-Kultur gewesen ist. Er wollte unbedingt an der Universität lehren und hatte viele Kämpfe mit Kollegen und Bürokraten zu bestehen, um seinen Lehrstuhl für Sozialanthropologie, seine Labor- und Forschungsbereiche und seine ethnologischen Vorlesungen etablieren zu können. Der mit ihm hinsichtlich vieler Aspekte zusammenarbeitende Psychoanalytiker J. Lacan kann jedoch fast als das Gegenteil dieses Akademiker-Anspruchs gelten. Für Lacan war klar, dass die Psychoanalyse nicht an einer Universität oder ähnlichen Institutionen gelehrt werden kann. Dem widerspricht nicht, dass Lacan auch Seminare und Vorträge abhielt, die professionellen akademischen Veranstaltungen ähneln. Das  Problem, um das es aber bei diesen beiden Wissenschaftsprotagonisten geht, ist das Gleiche: welche unbewussten Elemente steuern den Menschen und seine Welt, seine Seele und sein Universum?

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Der Eigenname

In Indien existieren seit dem Mittelalter Listen, in denen – ähnlich wie bei uns die Liste der Inthronisationszeiten von Päpsten oder Königen – die Folge großer Gurus und Heiliger mit ihren Daten aufgezeichnet ist. Doch die indische Dokumentation in solch frühen Zeiten war noch nicht so akribisch wie die der europäischen Historiker. So gilt allgemein Kabir Sahib (etwa 1440 bis gesichert 1518) als ein bedeutender Mystiker und ‚spiritueller‘ Lehrer Nordindiens. Über seine Nachfolger jedoch kreisen zahlreiche Spekulationen. Die einen sagen, Guru Nanak (1469 -1539), der Begründer der Sikh-Religion, sei sein legitimer Nachfolger gewesen, und dementsprechend waren die nach ihm kommenden Sikh-Gurus ebenso beglaubigte und legitimierte Heilige. Andere sehen jedoch in einer Kette völlig verschiedener nordindischer Heiliger wie etwa Jagjiwan Sahib, Garib Das und weiterer die direkten Nachfolger Kabirs. Sie landen allerdings beide bei den neuzeitlichen Gurus des sogenannten Sant Mat wie Hazur Sawan Singh und Kirpal Singh. Warum ist dies alles so wichtig?

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Sex als Chiffre

Als sich die Vor-/Früh-Menschen mehr und mehr ihrer Sprachbezogenheit bewusst wurden, bemerkten sie mit großem Schrecken, dass sie von dem, was sie intim miteinander trieben, auch in Worte fassen konnten und mussten. Man konnte doch nicht so tun, als hätte man jetzt dafür keine Phoneme, keine Syllaben oder Vokabeln. Ich verwende jetzt erst einmal nicht das Wort Sex, das auch die alten Griechen nicht kannten. Sie hatten das Glück, Liebe, göttliche Intimität und Sex im Wort Eros zu vereinen. Ähnlich war es auch den alten Hebräern ergangen, sie konnten Ahava als sinnlichen und göttlichen Eros verstehen. Doch die allerersten Menschen befanden sich noch in großer Verlegenheit und produzierten alle möglichen Wörter, um genau davon, von diesem XY, diesem intimen Geheimnis, dieser unheimlichen Innigkeit, nichts sagen zu müssen. Lacan sieht jedenfalls darin einen der Hauptfaktoren, warum die Sprache ins Spiel kam. Es erschien diesen Urmenschen natürlich auch furchtbar, dass man mit allem und jedem Sex haben konnte, animistisch, magisch, zwischenmenschlich und sogar mit sich selbst, autoerotisch. Der Autoerotismus war der Sex von dem Freud ausgegangen war und den er dann mehr und mehr in Formen des Oralen, Analen, Genitalen, Skopischen und Vokativen differenzierte.

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Die Signifikanten des Todes als Informanten des Lebens

Es ist gewiss bekannt, dass wir in einer Überinformations-Gesellschaft leben, in der wir von dem Übermaß an Informationen nicht mehr genau wissen, was eigentlich wichtige Information ist und was nicht So können wir uns auch kaum noch etwas merken, weil das eine das andere überdeckt oder gar auslöscht. Was stand in der Zeitung, wie hießen die Filme gestern Abend, welche Meldungen kamen per Email oder aufs Smartphone und wer hat heute nochmals angerufen? Wer bin ich überhaupt? Meine Methode der Analytischen Psychokatharsis stellt geradezu das Gegenteil dieser Überinformation dar. Man bekommt überhaupt keine Information mehr über all das, was einem suggeriert wird, sondern erfährt nur noch das, was zwingend im Inneren nach außen drängt. Ähnlich wie das Wesen der Gegensprache, wirkt hier nur eine Art der Gegeninformation. Sie ist eine Information, die ebenso jede Information auslöscht, aber nicht durch ein Zuviel an Übermaß, sondern durch das kompakteste Minimalmaß, das möglich ist. Es braucht nur noch ein paar Buchstaben oder Laute.

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