Analytic Psychocatharsis

... combining meditation with science

Theoretische Kurzfassung für die Analytische Psychokatharsis

Die Analytische Psychokatharsis ist ein psychotherapeutisches Ver-fahren, das von der Psychoanalyse abgeleitet, in der Praxis jedoch mit meditativen Verfahren  verbunden ist. Eine derartige Verbindung war bisher nicht denkbar, da man die Psychoanalyse sowohl von ihrem theoretischen Ansatz als auch als interaktive Zwei-Personen-Methode nicht mit einer Meditationsübung in Zusammenhang brin-gen konnte. Es gab zwar reichlich Versuche in diese Richtung, etwa zwischen Zen und Psychoanalyse, es war aber keine dieser Bemü-hungen plausibel und erfolgreich. Im Zentrum der Analytischen Psychokatharsis stehen sogenannte formelartige Kurzsätze, die je-doch keinen unmittelbaren Sinn haben. Dies ist aber nicht deswegen der Fall, weil sie wider- oder unsinnig wären, sie sind vielmehr überdeterminiert (ein Ausdruck Freuds für die Mehrfachbedeutung von Traumsymbolen), sie haben also eher mehrfachen Sinn als zu wenig oder keinen. Überdeterminierung gibt es auch in anderen Be-reichen der Psychoanalyse, z. B. beim Versprecher. Hier steht der Sinn, den man ausdrücken wollte anderen Sinnbedeutungen gegen-über, die unbewusst sind.


So stecken beispielsweise in der lateinischen Formulierung VE-RO-RA-TE, die hier links in einer Kreisschreibung abgebildet ist, je nachdem von welcher Stelle man im Uhrzeigersinn zu lesen beginnt, folgende verschiedene Bedeutungen:  vero rate ( durch das Wahre ist es sicher), V ero rate (als fünf werde ich gültig sein), r at evero (als R aber ich werde vergangen sein), e ver orat (sehr möge der Frühling brennen oder die Jugend spricht heraus),   rorate ve (tropft durch Gewalt!), ate vero r (schwarz durch das wahre R), vero rate (wirklich durch das Schiff oder wirklich Ratte!), or at e ver (brenne jedoch seit Jugend). Noch zahlreiche weitere Bedeutungen stecken darin (z. B. heißt ora auch die Münder, Gesichter,), orate auch sprecht!, betet!, Bedeutungen also, die alle letztlich unwichtig und auch oft  unsinnig sind, wenn man nunmehr die Formulierung stets nur von einer anderen Stelle aus liest.
Dies tut man nämlich automatisch, wenn man die Formulierung V-E-R-O-R-A-T-E meditiert, also langsam, monoton, rein gedanklich in sich wiederholt. Es ist dann das Unbewusste, das zu „lesen“ be-ginnen muss, denn das Bewusste, das Ich, kann einen einheitlichen Sinn ja nicht erfassen. Das Bewusste mag um die vielen Bedeutun-gen herumkreisen, aber da man von vornherein klar ist, dass dies keinen Zweck hat, wird man einfach beim gedanklichen Wiederholen der rein wortklanglichen Formulierung bleiben. Und ein solches Vorgehen wird Effekte haben. Das Unbewusste wird irgendwann durch das ständige Anrennen eines Kurzsatzes, der nicht weiter nach üblichen logischen Kriterien auflösbar ist, eine eben für das Unbe-wusste typische mehr oder weniger irrationale Lösung herausgeben. Die Lösung ist wie beim VER-OR-ATE mit Schnittstellen versehen bzw. mit Verdrehungen die wie ein Möbiusband gestaltet sind (siehe hier rechts unten).


Zuerst wird man eine tiefe Entspannung erfahren (was man in der Psychoanalyse eher als Regression bezeichnen würde), die ich Ka-tharsis nenne, weil sie befreiend, reinigend, d. h. fast berauschend wirkt. Dadurch wird neben der rein kathartischen Erfahrung aber auch das analytische Element (die Progression)  sichtbar. Man wird plötzlich einen Gedanken haben. In einer derartigen Entspannung tauchen auch wie von ferne oder tief heraus Gedanken auf, die einem fast fremd vorkommen, obwohl man noch bemerkt, dass man sie ja auch selber denkt. Freud nannte dieses Phänomen „unbewusste Gedanken“, was widersprüchlich klingt. Im Traum jedoch gehört es dazu, dass „unbewusste Gedanken“ vorherrschend sind. Aber sie sind im Traum weitgehend entstellt, verbildlicht und verbogen. In meditativen Verfahren verhält es sich jedoch mit diesen Gedanken anders.
In den meisten meditativen Methoden wird zwar jegliches Denken, ob bewusst oder unbewusst, unterdrückt. Dies ist aber bei der Analy-tischen Psychokatharsis anders. Wie in der klassischen Psychoanalyse bleibt das Regressions-Progressions-Element nahe beieinander und ans Sprachliche, an die symbolische Ordnung gebunden. Dadurch kommt es zum etwas mehr sprach-, satzbezogenem und halbbewussten Auftauchen der genannten Gedanken. Der französi-sche Psychoanalytiker J. Lacan sprach diesbezüglich von „ultraredu-zierten Phrasen“, die nicht nur das Unbewusste selbst kennzeichnen, sondern auch in Kunst und besonderen Seelenzuständen auftreten können. Nicht zuletzt ist ja auch die Formulierung des V-E-R-O-R-A-T-E eine „ultrareduzierte Phrase“, indem sie viele Bedeutungen auf ein reines Wortklangbild hin reduziert. Die aber beim Üben der Analytischen Psychokatharsis auftretenden „unbewussten Gedan-ken“ nenne ich Passworte. Sie haben ja etwas mit der eigentlichen Identität des Übenden zu tun. Sie beziehen sich ja auf das, was der Psychoanalytiker und sein Patient im Assoziations-Deutungs-Gespräch aus dem Unbewussten ans Tageslicht holt: Identitäts-, Passworte.
In seinem 13. Seminar gibt Lacan eine Erklärung, wie man sich eine derartige Antwort aus dem Unbewussten vorstellen und denken muss, d. h. wie exakt Unbewusstes und Gedanken in einem Vorgang erfasst werden können. Er verwendet dazu einen chinesischen Spruch, den ich hier zuerst worthaft und dann auch bildhaft wieder-gebe.
三         千        年          代               几           人            知
Sān       qiān      nián       dài                jī           rén           zhī 
Im Originalbild sind die Zeichen senkrecht untereinander geschrie-ben und daneben ein Kreis gezeichnet. Die wörtliche Übersetzung heit : « In dreitausend Jahren, wieviele Menschen werden dasein ? » Der Kreis symbolisiert wohl den Erdkreis mit all seinen Menschen und dem zugehörigen Spruch. Lacan kippt den Kreis zu einer Inne-nacht (siehe links), also einer Verdrehung wie beim Möbiusband und stellt auch die Schriftzeichen wie anders herum gekippt dar. Der Spruch heißt dann :
三        千        年        前           人         知          也
sān      qiān     nián      qián          rén        zhī        yě   ,
was bedeutet : Innerhalb dreitausend Jahren, gut davor, werden Menschen sein. Mit derartigen Umstellungen, « ultraredizierten Phra-sen » und topologischen Umkippungen arbeitet das Unbewusste. Es bringt jedoch dabei genau das zum Ausdruck, was wir von uns selbst, von unserer eigenen Identität, sonst nicht zum Ausdruck brin-gen, was uns also unbewusst bleibt, obwohl es zu uns gehört.

Dieser Vorgang der Verdrehung oder Umkippung wurde schon seit Freuds Zeiten auch « Spaltung » genannt. Dies ist jedoch – wie R. B. Blass in der Zeitschrift PSYCHE 2 (2013) schreibt ein vielschichter Begriff. Dennoch ist gut zu sehen, wie mit der Analytischen Psycho-katharsis die « Spaltung » überwunden werden kann, indem sie in einem geschlossenen Schriftzug, in einer geschlossenen Verlautung angerufen und dann durch ein Passwort auch selbst wieder geschlossen werden kann. Der Kreis des Formel-Wortes wird kurzfristig in eine Innenacht verwandelt, um dann wieder als Kreis des Passwortes zum Vorschein zu kommen. Eine ausführliche Beschreibung von Theorie und Praxis der Analytischen Psychokatheris ist auf der Webseite >ww.analytic-psychocatharis.com< zu erhalten. Auch in Print- oder gar E-Book-Form existiert die recht preisgünstige Version der Bro-schüre „Die körperlich kranke Seele“, die alles Wissenswerte enthält und auch ein Üben ohne weitere Anleitung ermöglicht.

 

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