Über das "Strahlt"

Das „Strahlt“, geschrieben in der 3. Person Singular ist eigentlich ein „Es Strahlt“ (man könnte auch ein „er“ oder „sie“ wählen, doch führt dies zu notwendigen komplexen weiteren Erklärungen) und soll einfach den Vorgang des Strahlens als solchen beschreiben.  Ausgehend von der Psychoanalyse beschreibt es den Vorgang des Wahrnehmungstriebes, den Freud auch   Schautrieb genannt hat. Es ist aber besser diesen Vorgang von der universellen Wahrnehmung her abzuleiten. Für den Psychoanalytiker handelt es sich dabei nicht um etwas Biologisches oder Physisch-Physikalisches im mehr materiellen Sinn, also das Wahrnehmen durch die Sinnesorgane und die entsprechenden Areale im Gehirn.  Speziell beim Menschen wird der ursprüngliche Wahrnehmungsvorgang durch die Bildung eines Triebes verändert. So wird die Tastwahrnehmung durch den Mund beim Säugling während des Stillvorganges erregt und mündet so in den eigenständigen Oraltrieb. Selbst wenn das Kleinkind gesättigt ist, muss es den Daumen oder Schnuller benutzen, um wirklich befriedigt zu sein. Die Triebbefriedigung ist also nicht die Bedürfnisstillung. Die Triebbefriedigung geht mit der fast halluzinativen Verinnerlichung des entsprechenden Objekts, hier der Mutterbrust einher.


Im visuellen Bereich des Wahrnehmungstriebs, den man also ganz spezifisch auch Schautrieb nennen kann, ist das Objekt jedoch nicht so klar vom Triebvorgang selbst zu trennen. Es ist der Blick selbst, der den Triebvorgang darstellt und auch das Objekt des Triebs ist . Es wird nicht das ganze Bild verinnerlicht, das wahrgenommen wird, sondern nur ein „einziger Zug“ des Objekts, wie schon Freud sagte. Ein charakteristischer oder maßgeblicher Zug, der bei  jedem Menschen anders ausfallen kann. Deswegen ist es gut einfach vom „Strahlt“ zu reden, weil in diesem primären Blick des Wahrnehmungstriebs einfach etwas Strahlendes, Erscheinendes, Oszillierendes liegt. Es geht also um diesen primären Moment, in dem der Trieb sich von der rein physischen Wahrnehmung trennt, in dem Blick sozusagen über das Auge triumphiert – wie Lacan sich ausdrückt. Im normalen Sehen steht dieser Triebvorgang nicht mehr so im Vordergrund. Lediglich in der Schaulust, im Genuss bestimmter Wahrnehmungen, stößt auch der Erwachsenen wieder auf das Primäre dieses „Strahlt“. Dieses Primäre ist so primär, dass man von einem Grundtrieb, einer Grundkraft sprechen kann, deren es immer mindestens zwei geben muss, um dem in den Wissenschaften grundsätzlich geltenden Dualismus zu genügen. Wenn der Wahrnehmungstrieb, das „Strahlt“ das eine ist, das von außen nach innen wirkt, dann gibt es eben noch etwas, das von innen nach außen geht, ein Entäußerungstrieb, den ich – wie noch zu erklären sein wird - ein „Spricht“ nenne.
Vom rein Bildhaften her ist nicht schwer zu verstehen, was das „Strahlt“ ist. An Naheliegendsten ein Punkt, von dem es ausstrahlt, aber ein Punkt ist mir schon etwas zu sehr und strikt Definiertes. Deswegen habe ich ja den Begriff des „Strahlt“ als solchem geprägt, weil damit nichts Spezifisches vorgegeben ist. Bei nebligen diffusen Lichtverhältnissen ist man am ehesten an so etwas erinnert: weil man die eigentliche Lichtquelle nicht ausmachen kann, „Strahlt“ es, oszilliert es diffus durcheinander. Die Strahlen scheinen nicht nur gradlinig zu sein, wie wir das vom Sonnenlicht gewohnt sind. In der Quanten- und Astrophysik ist man sich heute nicht mehr klar, was in allerletzten Sinn Strahlen sind. In der Stringtheorie spricht man von schwingenden Saiten, man könnte auch von schwingenden, sich eben auch biegenden Strahlen sprechen. Da ich schon vom Schautrieb gesprochen habe, könnte ich hier das Phänomen der Gesichtsfeldeinschränkung erwähnen,  das manche Menschen auch bei sogenannten Nahtoderfahrungen  ins Spiel bringen: eine Einengung auf ein „Strahlt“-Phänomen hin, das so wirkt, als sei man selbst auf der einen Seite und das „Strahlt“-Phänomen auf einer anderen. Wie bei der Stringtheorie gibt es „Durchtunnelungsaspekte“ wie wir sie auch bei dem oben erwähnten „einzigen Zugs“ des Objekts vorstellen könnten. Der Trieb und sein Objekt sind nicht durch eine lineare Beziehung verbunden, sondern durch eine Art von Durchtunnelung. Mund und Mutterbrust, Blick und Erblicktes, Signifikant und Signifikant  hängen durch solche Durchschlingelungen zusammen.
Natürlich findet sich hinter der „Durchtunnelung“ kein Paralleluniversum, auch kein multipel ausgestattetes Jenseits oder das Paradies, sondern etwas von uns selbst, das eben so „anders herum“ gewunden ist, dass  wir es nicht mehr als unseres erkennen. Deswegen der Begriff des „Spricht“. Nur so, nämlich dass zwei ebenbürtige und doch ganz autonome Kräfte sich im Gleichgewicht halten,  kann man erklären, wie alles zusammenhängt. Alles, die Natur, der Mensch, Bewusstes und Unbewusstes. Am geeignetsten, um dies zu beweisen, ist der Selbstversuch, der am besten mit diesem „Durchtunnelungsphänomen“ beginnt. Nicht nur beim Einschlafen oder einer sogenannten  Nahtoderfahrung, auch ohne weitere Vorbereitung kann man das „Strahlt“ und das „Spricht“ erfahren. Für Letzteres gebe ich in einem anderen Artikel genaue Erklärungen. Und auch für die „Durchtunnelungserfahrung“ verweise ich auf die Artikel, die die Analytische Psychokatharsis betreffen. In diesen Artikeln wird erklärt, wie dieses Verfahren anzuwenden ist.

Doch nochmals zurück zum „Strahlt“ als solchem. Wir erfahren in den heutigen Wissenschaften eine gewisse Pluralität, um deren Zusammenhang sich niemand kümmert. Jede Wissenschaft forscht und argumentiert vor sich hin, ohne sich zu fragen, ob nicht andere Wissenschaften mit der eigenen Interferenzen aufweisen. Das alte Beispiel: Geistes – und Naturwissenschaften, also etwa Theologie und Physik. Welche Rolle spielt Gott noch in der Quantengravitation, also dem Zusammenspiel von Quantenmechanik des ganz Kleinen mit der Relativitätstheorie des ganz Großen? Interessiert keinen Theologen, weil dieser sich letztlich freut, dass die Physiker selbst in einer Sackgasse stecken. Doch die Physiker freuen sich, dass es für Gott immer enger wird,  je mehr sie alles fakten-wissenschaftlich durchdringen und im LHC, dem riesengroßen Teilchenbeschleuniger bei Genf, jetzt auch das Higgs-Teilchen nachgewiesen haben. Was können die Moralpredigen der Kirche gegen die milliardenteuren Geräte schon ausrichten – wenn man so einen natürlich nicht ganz stichhaltigen Vergleich wagen darf. Aber weil das Wort Gott nicht verschwinden wird, wird auch der naive Glaube nicht aussterben, und so wurstelt eben jeder vor sich hin – Natur- sowie Geisteswissenschaftler.
Die Psychoanalyse, auf die ich mich bei meinem „Strahlt“ ja anfänglich gestützt habe, hat einen neuen, eigenen wissenschaftlichen Weg bestritten, den einer Wissenschaft  v o m  Subjekt. Deswegen ist das „Strahlt“ auch nur unter Mitnahme, unter Mitwirkung des menschlichen Subjekts nachweisbar und erklärbar. Das „Strahlt“ sind nicht die Strings der Quantengravitations-Physiker, obwohl es so gut passen würde. Sie sind auch nicht das „Licht“ Gottes, obwohl es auch so einfach damit zu erklären wäre. Es ist einfach das „Strahlt“, eine der zwei Ur- oder Grund-Kräfte, -Triebe, -Prinzipien, und es kann überhaupt nur verstanden und erfahren werden, durch Mitwirkung des „Spricht“, das ich wie gesagt in einem eigenen Artikel (Über das „Spricht“) beschreiben werde. Es hat keinen Sinn das „Strahlt“ wieder irgendwie durch andere Worte zu erklären, wie dies sonst üblicherweise getan wird und auch in allen Wissenschaften der herkömmlichen Art der Fall ist. Das Subjekt Mensch kann sich die Wahrheit und das Wissen über dieses „Strahlt“ nur selbst erarbeiten, wozu ich eben das Verfahren der Analytischen Psychokatharsis empfehle. Nur durch einen subjektbezogenen Zugang kann man das Paar, das Konglomerat aus „Strahlt“ / „Spricht“ erfahren. Auch für das „Spricht“ gibt es keine eigene Wissenschaft, es kann nur aus sich im Zusammenhang mit dem „Strahlt“ heraus erfahren werden. Dies ist auch der Zugang der Psychoanalyse, wobei hier der Schwerpunkt etwas mehr auf dem „Spricht“ liegt und durch sehr lange und konzentrierte Arbeit durch viele Deutungen und Zusammenreimungen etwas vom „Strahlt“ in Erfahrung gebracht werden kann. Auch durch die Psychoanalyse allein – jedoch nur durch sehr lange und intensive Arbeit -  kann also das erreicht werden, was mit der Analytischen Psychokatharsis einfacher zu Wege gebracht wird.


 
 

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